Tipp der Woche

Am 14. Januar jährt sich zum 25. Mal der Todestag der französisch-amerikanischen Schriftstellerin Anaïs Nin, die bekannt geworden ist durch ihre Tagebücher The Diary of Anaïs Nin und erotische Auftragsarbeiten wie Das Delta der Venus.
Ihre - in den dreißiger Jahren ungewöhnliche - sexuelle Offenheit sowie ihr Interesse an der Psychoanalyse machten sie zu einer außergewöhnlichen Zeiterscheinung. Sie wurde zu einer feministischen Kultfigur stilisiert.

Eine liebevoll gestaltete Hommage wird der Schriftstellerin auf der offiziellen Website Thinking of Anaïs Nin von Valerie Harms, Moira Collins und William James gewidmet. Die Idee zu der Website entstand im Sommer 1995 anlässlich einer Diskussion über die zuletzt erschienenen Bücher und Rezensionen über die Schriftstellerin. Man war sich einig, dass das kontroverse Bild von Anaïs Nin, das dort verbreitet wird, nicht ihrer wahren Persönlichkeit entspreche. Ein Essay der Komparatistin Sharon Spencer von der Montclair State University kommentiert den Forschungsstand über Anaïs Nin. Die Einbindung der Inhaltsverzeichnisse des internationalen Journals der Anaïs Nin Foundation, das von Gunther Stuhlmann herausgegeben wird, gibt Aufschluss über die aktuelle Forschungstendenz. Die Präsentation privater Erinnerungen und gemeinsamer Photos von Menschen, die Anaïs Nin persönlich kannten, erlauben einen persönlich gefärbten Einblick in ihr Leben und Werk.

Anaïs Nin führte ein sehr bewegtes Leben: Erst lebte sie in Paris, dann siedelte die Familie nach New York über, wo ihre Mutter sie mit Näharbeiten über Wasser hielt. Ihr Vater verließ die Familie, als Nin gerade 11 Jahre alt war. Er scheint der wichtigste Mann in ihrem Leben gewesen zu sein.
Im Zentrum ihres Schaffens standen stets die verschiedenen Aspekte der Liebe. Das unruhige Leben der Nin mit ihren vielen wechselnden Partnern (manchmal vier gleichzeitig) verarbeitet sie später bekenntnishaft in ihren Tagebüchern. Sie dienten ihr zugleich als Ort der Zuflucht und Identitätssuche und als Kommunikationsmittel, um indirekt dem Freundeskreis ihre Gefühle mitzuteilen. Besonders eindrucksvoll reflektiert sie die Beziehung zu ihrem Vater, aber auch die erotische Dreierbeziehung mit Henry Miller und seiner Frau June in dem Tagebuch Trunken vor Liebe.

Praktikabel erweist sich die Internetpräsenz hinsichtlich der digitalisierten Darbietung zweier Bücher von Valerie Harms, die out-of-print sind: Stars in my sky und Celebrations with Anaïs Nin. Ein News and Events Board informiert über akuelle Diskussionen und Publikationen. Ein Bookstore mit ausführlich kommentierten Literaturempfehlungen rundet den Service ab.

Die Anregung zu diesem Tipp gab Danica Krunic. Wollen Sie dazu Stellung nehmen oder einen eigenen Tipp geben? Dann schicken Sie uns eine E-Mail.


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